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Kein Wort zu Mami: Toni Maguire Kein Wort zu Mami: Toni Maguire

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Toni Maguire Kein Wort zu Mami

1 Taschenbuch Bestellnummer: 116648189 304 Seiten, Taschenbuch

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Über Kein Wort zu Mami:

Die wahre Geschichte über die zerrüttete Kindheit eines kleinen Mädchens - erschütternd, bewegend und mit schonungsloser Ehrlichkeit geschrieben. Als Antoinette 6 Jahre alt ist, beginnt ihr Vater sie zu missbrauchen. Niemals darf sie dieses »Geheimnis« offenbaren. Aber Antoinette nimmt all ihren Mut zusammen und erzählt es ihrer Mutter - doch aus Angst, ihren Mann zu verlieren, duldet ihre Mutter den Missbrauch. Erst als Antoinette mit 14 Jahren von ihrem Vater schwanger wird, wagt sie es, sich jemandem außerhalb der Familie anzuvertrauen. Doch was dann folgt, ist nicht die Erlösung, sondern zunächst eine Fortsetzung ihres Martyriums.

    • EAN:
    • 206004116648

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Leseprobe:

Erstes Kapitel

DAS HAUS IN der stillen Vorstadt Dublins war unauf- fällig. Das breite Backsteingebäude stand etwas nach hinten versetzt an der Straße, von bepflanzten Rasenflächen umgeben. Es sah aus wie jedes andere große Wohnhaus. Die Hausnummer am Tor bestätigte mir, dass ich mein Ziel gefunden hatte, aber ich schaute doch noch einmal auf den Zettel in meiner Hand, um mich zu überzeugen. Doch jetzt musste ich hinein. Ich nahm den Koffer, den der Taxifahrer auf dem Bürgersteig abgestellt hatte, ging den Torweg hinunter und stieß die Tür auf. "Mein Name ist Toni Maguire", stellte ich mich der leger gekleideten Frau am Empfang vor. "Die Tochter von Ruth Maguire." Sie sah mich neugierig an. "Ja, Ihre Mutter hat uns heute Morgen erzählt, dass Sie kommen würden. Wir wussten gar nicht, dass sie eine Tochter hat." Nein, dachte ich, offenbar nicht. "Kommen Sie, ich bringe Sie zu ihr. Sie wartet schon." Sie eilte flink über den Flur und führte mich in ein helles Vierbettzimmer. Mit einem mulmigen Gefühl trottete ich hinter ihr her. Vier alte Damen saßen auf ihren Stühlen vor den Nacht- tischen. Drei der Tische waren mit Fotos von Verwandten bedeckt, der vierte, der meiner Mutter, war leer. Ich spürte einen vertrauten Stich. Nicht einmal ein Kinderfoto von mir stand da. Eine Decke über den Knien, die Füße auf der erhöhten Stütze, saß sie auf ihrem Stuhl. Sie sah längst nicht mehr so kräftig aus wie bei meinem letzten Besuch in Irland ein Jahr zuvor. Damals hatte sie mindestens zehn Jahre jünger gewirkt, als das Geburtsdatum in ihrem Ausweis anzeigte. Jetzt war sie zu einer gebrechlichen alten Dame zusammengeschrumpft. Sie sah todkrank aus. Die dunkelgrünen Augen, die mich so oft zornig an- gefunkelt hatten, füllten sich mit Tränen, als sie mir die Arme entgegenstreckte. Ich stellte meinen Koffer ab und umarmte sie. Es war das erste Mal seit vielen Jahren, dass wir uns umarmten, und ich spürte etwas von meiner ver- schütteten Liebe zu ihr. "Du bist gekommen, Toni", murmelte sie. "Ich wäre immer gekommen, wenn du mich gebeten hättest", antwortete ich leise. Durch den Morgenmantel spürte ich, wie mager sie geworden war. Eine Schwester marschierte herein und zog meiner Mutter die Decke fester über die Beine. Sie wandte sich an mich und erkundigte sich höflich nach meiner Fahrt von London hierher. "Alles verlief problemlos", sagte ich. "Es hat nur drei Stunden gedauert." Dankbar nahm ich den Tee entgegen, den sie mir anbot. Ich starrte in die Tasse und versuchte mich zu beruhigen. Ich wollte nicht, dass meine Mutter merkte, wie sehr mich ihr Zustand schockierte hatte. Ich wusste, dass sie in das Hospiz eingeliefert worden war, damit die Dosierung ihrer Schmerzmittel neu eingestellt wurde, aber ich war mir sicher, dass dieser Besuch mein Letzter sein würde. Inzwischen hatte man den Arzt meiner Mutter über meine Ankunft informiert, und er kam ins Zimmer, um mich zu begrüßen, ein gut gelaunter, angenehmer junger Mann mit einem breiten Lächeln. "Ruth", sagte er, "freuen Sie sich über den Besuch Ihrer Tochter?" "Sehr", antwortete sie in ihrem gewohnten, damenhaften Tonfall, so distanziert, als äußerte sie sich zum Wetter. Als er sich an mich wandte, sah ich den gleichen neugie- rigen Ausdruck auf seinem Gesicht, den ich auch schon bei der Empfangsdame bemerkt hatte. "Darf ich Sie Toni nennen?", fragte er. "So nennt Ihre Mutter sie." "Natürlich." "Wenn Sie Ihren Tee ausgetrunken haben, würde ich mich gerne kurz mit Ihnen unterhalten. Kommen Sie ein- fach in mein Büro. Die Schwester zeigt Ihnen den Weg." Er lächelte meiner Mutter noch einmal aufmunternd zu und verließ das Zimmer. Ich trank meinen Tee sehr langsam, denn ich hatte das Gefühl, dass es kein einfaches Gespräch werden würde. Schließlich machte ich mich auf, um zu hören, was er von mir wollte. Als ich sein Büro betrat, saß ein zweiter Mann in Zivil- kleidung neben ihm. Nur sein Priesterkragen verriet seinen Beruf. Ich setzte mich auf den einzigen freien Stuhl und sah den Arzt mit betont unbeteiligter Miene an. Ich wartete darauf, dass er das Gespräch beginnen würde. Als er dann mit behutsamen Worten die Situation schilderte, verlor ich beinahe die Fassung. Ich erkannte, dass gewisse Antworten von mir erwartet wurden, Antworten, die zu geben mir widerstrebte, denn dafür hätte ich den Schrank mit den Erinnerungen öffnen müssen, in dem der Geist meiner Kindheit wohnte. "Die Behandlung Ihrer Mutter stellt uns vor große Probleme. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen. Die Schmerzmittel wirken nicht so gut, wie sie es eigentlich sollten. Und wir sind bereits bei der Maximaldosis ange- langt." Er wartete auf meine Antwort. Da ich schwieg, fuhr er fort: "Am Tag zeigt sie sich gegenüber dem Personal sehr kooperativ, sie lässt sich in die Cafeteria führen, achtet auf ihr Äußeres und hat einen guten Appetit. Die Nächte jedoch machen uns Sorgen." Er zögerte erneut, während ich ihn noch immer unbe- teiligt ansah. Ich hatte nicht vor, irgendetwas preiszuge- ben. Nach einer Weile sprach er etwas irritiert weiter. "Nachts ist Ihre Mutter sehr unruhig. Sie wacht oft auf, weil sie unerklärlicherweise starke Schmerzen hat. Es scheint fast so, als kämpfte sie gegen die Medikamente an." Die Geisterstunden, dachte ich. Ich kannte diese Stunden sehr gut, in denen man die Kontrolle über seine Gedanken verliert und sich die dunkelsten Erinnerungen anschleichen. Verzweiflung, Zorn, Furcht und Schuldge- fühle rauben einem den Schlaf. Ich stand dann immer auf, machte mir eine Tasse Tee, las oder hörte Musik. Aber was konnte meine Mutter tun, um die finsteren Gedanken in Schach zu halten? "Zweimal schon hat sie die Schwester gebeten, den Pfarrer zu rufen. Aber" - er wandte sich an den Mann neben sich -, "jedes Mal, wenn er an ihrem Bett stand, hatte sie es sich anders überlegt und wollte nicht mehr mit ihm reden." Der Geistliche nickte beipflichtend, und ich spürte, wie mich zwei Augenpaare musterten, auf der Suche nach einer Antwort. Dieses Mal brach der Priester das Schweigen, er lehnte sich über den Schreibtisch und stellte die nächste Frage. "Toni, können Sie uns irgendetwas erzählen, das uns bei der Behandlung Ihrer Mutter helfen könnte?" 10

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Toni Maguire Biographie:

Toni Maguire lebt im englischen Norfolk und in Kapstadt, Südafrika. Nach ihrem Bestseller »Kein Wort zu Mami« erzählt sie jetzt die Fortsetzung ihrer traumatischen Kindheit.

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